Im mythischen Lala-Land der Creative Industries

<p>Die außerordentlich gut besuchte Diskussionsveranstaltung der IG Kultur anlässlich der Kulturrisse Ausgabe „Kulturindustrie(n)“ brachte dem interessierten Publikum Grundzüge und Grundfragen zum Thema näher: Elisabeth Mayerhofer machte in ihrem Eingangsstatement klar, dass zwar vieles an Potenzial im Sinne von Wirtschaftswachstum und Beschäftigungszahlen diesem Sektor zugeschrieben wird, es jedoch nach wie vor fragwürdige Zahlen gibt, die diese Annahme auch

Die außerordentlich gut besuchte Diskussionsveranstaltung der IG Kultur anlässlich der Kulturrisse Ausgabe „Kulturindustrie(n)“ brachte dem interessierten Publikum Grundzüge und Grundfragen zum Thema näher: Elisabeth Mayerhofer machte in ihrem Eingangsstatement klar, dass zwar vieles an Potenzial im Sinne von Wirtschaftswachstum und Beschäftigungszahlen diesem Sektor zugeschrieben wird, es jedoch nach wie vor fragwürdige Zahlen gibt, die diese Annahme auch bestätigen würden. Ist es doch so, dass es weder eine klare Definition bzw. Einschränkung gibt, was die Kulturindustrie(n) umfassen soll(en) und bei näherer Betrachtung sichtbar wird, dass es sich großteils um prekäre Arbeitsverhältnisse (z.B. atypische Beschäftigungen) handelt. Elisabeth Mayerhofer stellte zwei Hypothesen zur Diskussion, welche (kultur-)politischen Ziele mit der Konzentration auf diesen Bereich verfolgt werden könnten: Zum einen ist das Beschäftigungspotenzial interessant, insbesondere durch die hohe Motivation trotz schlechter Bezahlung und sozialer Absicherung sich in diesem Feld zu betätigen, zum anderen kommt es durch sog. „kreative Milieus“ zu einer Standort- und Imageaufwertung, die ihrerseits den Wirtschaftsstandort stärken oder jedenfalls stärken sollen. Sie kritisiert jedoch den damit einhergehenden Mehraufwand für Förderansuchen, den Abbau oder das Wegfallen von Strukturförderungen und die Reduktion auf Vermarktungsförderungen, statt in Entwicklung zu investieren.

Armin Medosch wies in seinem Statement darauf hin, dass die Cultural Industries Teil einer umfassenden Ökonomisierung von Gesellschaften sind. Am Beispiel Großbritannien zeigte er auf wie (seit der Thatcher-Regierung) die Kulturförderung ummodelliert wurde. Das wird insbesondere in der Stadtteilplanung deutlich: Abgewirtschaftete Stadtteile wurden in Zusammenarbeit mit dem Arts Council KünstlerInnen zu günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt, das Viertel neu belebt, Wirtschaftstreibende zogen nach und die Mieten gingen in die Höhe. Dies bedeutet schließlich eine Verdrängung der zu meist immer noch in prekären Arbeitsverhältnissen lebenden KünstlerInnen, sowie anderen sozial schlechter gestellten Gruppen (MigrantInnen, ArbeiterInnen, ...). Armin Medosch kritisierte die damit einhergehende Darstellung der politisch Verantwortlichen Kulturförderung, de facto aber Wirtschaftsförderung zu betreiben. Er sieht aber in manchen Bereichen (z.B. neue Medien) die CI auch als Chance, Geld abseits von Fördertöpfen zu verdienen.

Andrea Ellmeier hat sich in ihren Ausführungen auf Beschäftigungsverhältnisse konzentriert. Auch sie bestätigte, dass der Kulturbereich als Arbeitsfeld heiß begehrt ist, obwohl er sehr schlecht bezahlt ist. Dazu kommt ihres Erachtens auch der Mythos, dass in diesem Bereich „selbstbestimmt“ gearbeitet werden kann. Das führt zu einem hohen Motivationsgrad, aber auch zu einem hohen Maß an Bereitschaft sich selbst auszubeuten. Sie stellte in Frage, wie mit den Ressourcen von KünstlerInnen umgangen wird und verwies auch darauf, dass Fragen der sozialen Absicherung hintangestellt und Gesundheit und Jugendlichkeit vorausgesetzt werden. Längerfristige Berufskarrieren können jedenfalls nur in den seltensten Fällen in Betracht gezogen werden. Im Weiteren zog Andrea Ellmeier Verbindungen zum Feld freier Wissenschaft, das sich mit ähnlich prekären Arbeitsverhältnissen konfrontiert sieht.

Im Zuge der angeregten Diskussion wurden noch vielfältige Aspekte angesprochen, wie dass die Kulturindustrien keinen Ersatz für Kunst- und Kulturförderung bieten können und es wurde auf die Gefahr hingewiesen, dass Kunst durch die Warenindustrie vereinnahmt wird. Einem wie auch immer geartetem „kreativen“ Milieu würde – so war sich das Podium einig – Grundeinkommen de facto wirklich helfen, kontraproduktiv sind jedoch die Forcierung von „intellectual property rights“ (Rechte auf geistiges Eigentum), sowie restriktive Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, wie sie durch das Schengen-Abkommen und insbesondere durch die Neuerungen des Fremdenrechtes verursacht werden.

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