Kulturbericht 2024

Der Kulturbericht 2024 wurde mit deutlicher Verzögerung erst am 19. März 2026 beschlossen und öffentlich zugänglich gemacht. Die Mittel für Kunst und Kultur wurden 2024 erhöht, was in Zeiten allgemeiner Sparmaßnahmen ein wichtiges Signal ist. In unserer Analyse des Kulturbudgets 2024 haben wir untersucht, wie sich diese Erhöhung verteilt haben: Die Ergebnisse zeigen, dass sich bestehende Ungleichgewichte in der Mittelverteilung weiter verstärken. Sie machen deutlich, dass eine Erhöhung des Kulturbudgets auf 1 % der Gesamtausgaben notwendig ist, um die freie Kulturszene langfristig und nachhaltig abzusichern!

Der Kulturbericht 2024 liegt vor und die IG KiKK hat diesen mit Fokus auf die freie Szene analysiert.

Budgetentwicklung und Mittelverteilung

Das Kulturbudget des Landes Kärnten betrug im Jahr 2024 rund 35,08 Mio. Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einer Erhöhung um 4,25 Mio. Euro bzw. 13,44 %. Damit lag die Steigerung deutlich über der Inflation von 7,8 % (VP[1]) im Jahr 2023. Trotz dieser Steigerung blieb das Budget weiterhin unter dem bisherigen Höchststand von 2009 (36,89 Mio. Euro). Der Anteil der Kultur am Gesamthaushalt erhöhte sich leicht um 0,03 Prozentpunkte auf 0,87 % [2].

Parallel dazu stiegen die Ausgaben für die vier landesnahen Einrichtungen Kärntner Landesarchiv, kärnten.museum (ehem. Landesmuseum), Museum Moderner Kunst Kärnten sowie Stadttheater Klagenfurt und erhöhten sich um 4,23 Mio. Euro auf 25,07 Mio. Euro (+20,30 %). Damit wird deutlich: Die Erhöhung des Kulturbudgets floss fast vollständig in die Landeseinrichtungen, was mit hohen Personalkosten begründet wird. 2024 wurde die Integration der wissens.wert.welt, die zuvor vom Verein „Blauer Würfel und kidsmobil“ getragen wurde, in das kärnten.museum (Landesmuseum für Kärnten) budgetär wirksam. Dadurch konnten 75.000 € für den Betrieb des „Blauen Würfels“ eingespart werden; in den Gesamtausgaben des kärnten.museums sind nun weitere 320.000 € enthalten. Dort kamen 2024 auch noch 507.120,99 € für die Eröffnung des Ingeborg-Bachmann-Hauses hinzu. Der Anteil des gesamten Kulturbudgets dieser vier Institutionen stieg damit auf rund 71 % (2023: 68 %) und ist damit auf dem höchsten Stand seit 2018.

Es blieben 10,01 Mio. € bzw. 29 % für alle übrigen Bereiche des Kulturbudgets. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies lediglich einer Steigerung von rund 17.000 € bzw. etwa 0,06 % – für mehrere hunderte Positionen. Während die landesnahen Einrichtungen deutliche Anpassungen verzeichneten, blieb der Zuwachs für alle anderen Sparten und Positionen im Kulturbericht faktisch marginal.

Umgerechnet auf die Bevölkerung von 570.095 Personen[3] ergab sich ein Kulturaufwand von rund 61,53 € pro Kopf. Davon entfielen etwa 43,98 € auf die vier landesnahen Einrichtungen, während sich rund 17,55 € pro Kopf auf sämtlichen übrigen Bereichen verteilten.

Die Entwicklung zeigt damit klar: Die Gesamtsumme stieg, die interne Gewichtung verschob sich jedoch weiter zugunsten weniger großer Institutionen. Entscheidend ist daher nicht allein die Höhe des Budgets, sondern wie die verfügbaren Mittel verteilt werden.

 

Bereinigte LIKUS-Kategorien

Aufgrund der hohen Mittelanteile, die an landesnahe Einrichtungen fließen, entsteht in der Darstellung der LIKUS-Kategorien im Kulturbericht ein verzerrtes Bild, sofern man die freie Szene gesondert betrachten möchte. Werden diese Einrichtungen rechnerisch herausgenommen, verschiebt sich die Gewichtung deutlich:

1. Museen, Archive, Wissenschaft erhalten ohne die landesnahen Einrichtungen 1.067.627,76 €. Das entspricht rund 3 % des Kulturbudgets (statt 41 % bei Einrechnung der Landeseinrichtungen).
Auf 7. Darstellende Kunst entfallen noch 1.592.144 €, also 5 % statt 38 %.
Bei der bereinigten Darstellung weist 6. Musik mit 2.289.019,54 € bzw. 7 % den höchsten Anteil der Likus-Kategorien auf, was vor allem durch die Festivalförderungen erklärbar ist.
Alle übrigen LIKUS-Kategorien liegen zwischen 1 % und 3 %. In absoluten Zahlen reicht das von 271.700 € für 2. Baukulturelles Erbe bis zu 1.063.126 € für 10. Kulturinitiativen und -zentren.

Diese Bereinigung zeigt ein realistischeres Bild der Mittelverteilung und eine Annäherung an die Ausgaben für die freie Szene. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass auch einzelne Gemeinden projektbezogene Förderungen erhalten. Dazu zählen etwa Beiträge für Museen und Ausstellungen – beispielsweise an die Stadtgemeinde Bleiburg/Pliberk für das Werner Berg Museum (40.000 €) oder an die Stadtgemeinde Wolfsberg für das Museum im Lavanthaus (15.000 €). Hinzu kommen Förderungen für Literatur- oder Chorwettbewerbe, Zuschüsse von 500 € pro Gemeinde für den Theaterwagen Porcia (gesamt 16.000 €), Restaurierungen historischer Objekte wie die Sanierung der Stadtmauer in Friesach (81.000 €) oder weitere „kulturelle Aktivitäten“.

Deutliche Zuwächse verzeichneten 1. Museen, Archive, Wissenschaft (+24 %), vermutlich im Zusammenhang mit vorbereitenden Maßnahmen für Erweiterungen im Bereich der Museumsstandorte des kärnten.museums (S. 14). Auch die 4. Literatur (+38 %), 9. Film, Kino, Video (+33 %) – im Zusammenhang mit der Budgeterhöhung der Carinthia Film Commission zur Stärkung des Filmstandorts Kärnten/Koroška (S. 9) – sowie der 11. Internationale Kulturaustausch (+76 %) legten deutlich zu. Die Steigerung unter 12. Diverses (+18 %) dürfte unter anderem mit ersten Aufwendungen für die Kunst- und Kulturstrategie Kärnten/Koroška 2030 zusammenhängen.

Rückgänge gab es hingegen in der Brauchtums- und Heimatpflege (- 20 %), was mit dem Wegfall zusätzlicher Mittel im Jahr der Volkskultur 2023 zurückzuführen sein dürfte. Ein wiederkehrendes Indiz, dass die Schwerpunktjahre nur vorübergehend zusätzliche Mittel lukrieren und keine langfristige finanzielle Stärkung der Sparten ermöglichen.

 

Große Kostenpunkte

Nach den landesnahen Einrichtungen entfällt der größte Anteil der Fördermittel auf Festivals. Dazu zählen der Carinthische Sommer mit 525.000 € (+12,91 %), die Komödienspiele Porcia mit 180.000 € zuzüglich 20.000 € für den Theaterwagen (+1,01 %), die Trigonale mit 172.500 € sowie die Musikwochen Millstatt mit 120.000 €.

Jahressubventionen von über 100.000 € erhielten:
neuebuehne villach (200.000 € zzgl. 20.000 € für das Klassenzimmerstück „Konradine und Effi“),
Steinhaus Domenig (150.000 €, –5 %),
Kärntner Bildungswerk (150.000 € zzgl. 754,62 € für die Veranstaltung „Anpacken 2024 – Handwerkszeug für Vereinsarbeit und Ehrenamt“),
Klagenfurter Ensemble (148.000 € zzgl. 21.500 € Betriebskosten Theaterhalle 11, +1 %),
Verein Kultur-Burg-Taggenbrunn (110.000 €, +3 %),
Kärntner Blasmusikverband (102.500 € zzgl. 18.000 € für ein Promenadenkonzert in Innsbruck),
Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten (130.275,62 €, +2 %),
Geschichtsverein für Kärnten (124.125,62 €, +22 %).

Für den Naturwissenschaftlichen Verein und den Geschichtsverein wurden darüber hinaus „diverse Zahlungen“ in Höhe von insgesamt 14.570,22 € ausgewiesen.

Weitere größere Ausgabenposten betreffen die Veranstaltungskosten der Brauchtumsmesse 2024 mit 187.771,84 € (+10 %) sowie die Umsetzung des Ingeborg-Bachmann-Hauses mit weiteren 182.252,58 €. Für das Schwerpunktjahr 2024 „Fotografie“ erhielt die section.a art.design.consulting gmbh 99.900 €, für das Schwerpunktjahr 2025 „Erinnerungskultur/en in Kärnten/Koroška“ das Kärntner Bildungswerk 99.999 €.

Unter „Diverse Zahlungen“ wurden zudem 110.138,25 € (–14 %) für Miet- und Betriebskosten der Abteilung 14, Webauftritte/Domains sowie allgemeine Aufwendungen ausgewiesen. Die Produktionskosten der Kulturzeitschrift Die Brücke betragen 144.200,01 € (+2 %). Für Veranstaltungen, Projektkommunikation, Honorare und weitere Maßnahmen im Zusammenhang mit der Kunst- und Kulturstrategie Kärnten/Koroška 2030 wurden 2024 insgesamt 158.986,36 € aufgewendet.

IG KiKK-Mitglieder als Indikator der freien Szene

Die LIKUS-Kategorie Kulturinitiativen und -zentren erfuhr eine Erhöhung der Mittel um 44.376 € bzw. 4 % im Vergleich zum Vorjahr. Aufgrund der Selbstzuordnung beim Subventionsansuchen sind jedoch nicht alle IG KiKK-Mitglieder in der LIKUS Kategorie10 Kulturinitiativen und -zentren aufgelistet, sondern verteilen sich auch auf die jeweiligen Sparten: Museen, Archive, Literatur, Wissenschaft, Musik, Darstellende Kunst, Bildende Kunst, Foto, Film, Kino, Video).

Von den derzeit 86 Mitgliedsinitiativen der IG KiKK erhielten 66 im Jahr 2024 eine Förderung der Kulturabteilung des Landes Kärnten in der Gesamthöhe von 1.325.681 €. Gegenüber 2023 bedeutet dies einen Anstieg um 54.319 €. Da sich die Zahl der fördernehmenden Mitglieder jedoch um drei neue Initiativen (aufgrund steigender Mitgliedszahlen) erhöhte, stellt dieser Zuwachs faktisch keine reale Budgetverbesserung dar.

Im Vergleich zum Vorjahr stehen 38 Erhöhungen der jeweiligen Förderbeträge 16 Kürzungen gegenüber (2023: 33 Erhöhungen, 12 Kürzungen). Zwar erhielten somit mehr Initiativen eine Erhöhung, gleichzeitig stieg jedoch auch die Zahl der Kürzungen gegenüber 2023. Von den 38 Erhöhungen entfallen zwei auf erstmalige Förderungen, weitere neun bewegen sich lediglich im Bereich von wenigen hundert Euro. Substanzielle Steigerungen zwischen 11.000 € und 25.000 € erhielten nur fünf Initiativen – vier davon hatten bereits im Vorjahr Förderungen zwischen 20.000 € und 35.000 € bezogen.

Dies ergibt insgesamt eine stärkere Polarisierung der Verteilung: Während ein weiteres Mitglied die Schwelle von 40.000 € überschreitet, wächst gleichzeitig die Zahl der Initiativen in den niedrigsten Fördersummenbereichen:

  • 27 Mitglieder (+2) erhielten weniger als 10.000 €
  • 15 Mitglieder (+2) erhielten ab 10.000 € bis unter € 20.000 €
  • 9 Mitglieder (-3) erhielten ab 20.000 € bis unter 30.000 €
  • Drei Mitglieder (-1) erhielten ab 30.000 € bis unter 40.000 €
  • Zwei Mitglieder (+1) erhielten ab 40.000 € bis unter 50.000
  • Sieben Mitglieder erhielten mehr als 50.000 €

Bei über 40% der IG KiKK-Mitglieder, die eine Förderung vom Land erhielten, betrug diese weniger als 10.000 €. Diese Initiativen sind damit für eine Mehrjahresförderung nicht antragsberechtigt und haben keine sichere Planungsperspektive.

42 der 66 geförderten Mitgliedsinitiativen (63 %) konnten mit der Landesförderung nicht gleichzeitig Programm und Personal finanzieren: Laut Fair-Pay-Richtlinien beliefen sich die jährlichen Personalkosten für eine 20-Stunden-Anstellung in Verwendungsgruppe 4 im Jahr 2024 auf 25.262,55 €[4]. Für einen Großteil der Initiativen ist damit eine angemessene Bezahlung von Kulturarbeit aus der Landesförderung – die in der Praxis für viele Initiativen in Kärnten/Koroška die Basis ihrer Absicherung darstellt – nicht realisierbar.

 

Interpretation

Dass das Kulturbudget trotz eines allgemein von Sparvorgaben geprägten finanzpolitischen Umfelds nicht nur gehalten, sondern erhöht werden konnte, ist keine Selbstverständlichkeit. Ebenso ist der Kulturbericht in seiner formalen Gestaltung hervorzuheben: Er ist übersichtlich aufgebaut, gut lesbar und zeichnet sich durch eine hohe Transparenz aus. Die Verwendung grafischer Darstellungen erleichtert die Nachvollziehbarkeit der Zahlen, und die Orientierung an standardisierten Kategorien (LIKUS) verbessert die Vergleichbarkeit. Damit wird eine langjährige Forderung nach einer klaren, zugänglichen und systematisch aufbereiteten Darstellung der Kulturförderung erfüllt.

Die Entwicklung des Kulturbudgets ist jedoch nicht nur eine Frage der Gesamthöhe, sondern vor allem der strukturellen Aufteilung. Selbst wenn das Budget in absoluten Werten steigt, zeigt die aktuelle Analyse, dass sich die Mittel immer stärker konzentrieren, während der finanzielle Spielraum für den Großteil der übrigen Initiativen sehr gering bleibt – und durch die Inflation immer enger wird.

Besonders deutlich wird dies bei der Finanzierung von Personalkosten. 2024 wirkte sich dort eine besonders hoher Inflationsanpassung aus: Die Gehälter für Handelsangestellte stiegen um 9,2 % bzw. 8,3 %[5]. Diese Vorgaben bilden die Grundlage der von der IG Kultur Österreich gemeinsam mit der Gewerkschaft GPA herausgegebenen Fair-Pay-Richtlinien.

Im Kulturbericht 2024 wird die Finanzierung des Personals der öffentlichen Einrichtungen als „große Herausforderung“ bezeichnet (S. 14). Es ist angemessen, dass Angestellte in landesnahen Einrichtungen entsprechende Anpassungen erhalten. In gleichem Maße braucht es jedoch auch Inflationsabgeltungen für die freie Szene, um eine angemessene Bezahlung für Kulturtätige zu ermöglichen. Mehrkosten durch steigende Mieten, Energiepreise, Material und externe Dienstleistungen müssen ansonsten weiterhin zu Lasten vom eigenen Personal getragen werden. 

Das Kulturbudget 2024 zeigt daher, dass ohne eine substanzielle Erhöhung des Gesamtbudgets in Richtung eines Anteils von 1 % des Gesamthaushalts keine strukturellen Verbesserungen für einen Großteil der in Kunst und Kultur Tätigen möglich sein werden. Die Kunst- und Kulturstrategie Kärnten/Koroška 2030, die derzeit kurz vor dem Beschluss durch den Kärntner Landtag steht, sieht die schrittweise Erhöhung auf 1 % als zentrale Maßnahme vor. Diese Zielsetzung ist wesentlich, um Planungssicherheit, faire Bezahlung und nachhaltige Entwicklung tatsächlich zu ermöglichen. Ihre Umsetzung ist daher unumgänglich und dringend erforderlich.

 


Die angegebenen Zahlen und Aussagen wurden anhand des Kulturberichtes 2024 des Landes Kärnten/Koroška erarbeitet, abrufbar unter https://www.kulturchannel.at/fileadmin/user_upload/Kulturberichte/kulturbericht2024.pdf 

Sofern nicht anders angegeben, beziehen sich die Seitenverweise auf diese Quelle.

[1]https://www.statistik.at/statistiken/volkswirtschaft-und-oeffentliche-finanzen/preise-und-preisindizes/verbraucherpreisindex-vpi/hvpi

[2] Die Gesamtaufwendungen 2024 betrugen laut Rechnungsabschluss € 4.036.985.440,12. https://www.ktn.gv.at/Themen-AZ/Details?thema=4&detail=238

[3] https://www.ktn.gv.at/Land/Zahlen-und-Fakten

[4] Kosten laut den Fair-Pay-Empfehlungen für das Jahr 2024 ermittelt anhand des Fair-Pay-Rechners der Kulturplattform Oberösterreich, abrufbar unter: https://kupf.at/fairpayrechner/

[5] https://www.gpa.at/kollektivvertrag/handel/2024/kv-handel-siebte-runde