Kulturarbeit im ländlichen Raum braucht mehr als Engagement

Bei der vierten Kulturtunnelfahrt von IG KiKK und IG Kultur Steiermark diskutierten Kulturtätige aus Kärnten|Koroška und der Steiermark über die Herausforderungen und Chancen von Kulturarbeit im ländlichen Raum. Im Mittelpunkt standen Vernetzung, nachhaltige Strukturen, die Zusammenarbeit mit Gemeinden und die Bedeutung von Kulturinitiativen für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Teilhabe. Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, wie wichtig der Austausch über regionale Grenzen hinweg für eine starke freie Kulturszene ist. Nachlese auch in einfach Sprache.

Kulturtunnel Treffen Teilnehmer*innen

Nachlese zur vierten Kulturtunnelfahrt von IG KiKK und IG Kultur Steiermark im Theaterzentrum Deutschlandsberg

Was braucht Kulturarbeit im ländlichen Raum, um langfristig bestehen zu können? Reicht ehrenamtliches Engagement? Welche Rolle spielen Gemeinden? Und wie können Kulturinitiativen, Künstlerinnen und Kulturarbeiterinnen über regionale Grenzen hinweg voneinander lernen? Diesen Fragen widmete sich die vierte Kulturtunnelfahrt von IG KiKK und IG Kultur Steiermark am 27. Mai 2026 im Theaterzentrum Deutschlandsberg. Unter dem Titel „Kulturarbeit im ländlichen Raum: Herausforderungen und Lösungsansätze“ kamen Kulturtätige aus Kärnten|Koroška und der Steiermark zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Herausforderungen sichtbar zu machen und neue Verbindungen zu knüpfen.

Vernetzung entlang der Koralmbahn

Der Kulturtunnel entstand anlässlich der Eröffnung der Koralmbahn. Dahinter steht eine einfache, aber weitreichende Idee: Wenn die Wege zwischen Kärnten|Koroška und der Steiermark kürzer werden, sollten auch die Wege zwischen Kulturinitiativen kürzer werden. Nach den ersten gegenseitigen Besuchen in Graz und Klagenfurt/Celovec sowie der Veranstaltung „Kunst & Kultur als Standortfaktor der Regionalentwicklung“ in St. Paul im Lavanttal wurde der Austausch nun in Deutschlandsberg fortgesetzt. Ziel ist es, Begegnungen zu ermöglichen, voneinander zu lernen und langfristige Kooperationen aufzubauen. Viele Herausforderungen ähneln sich – unabhängig davon, auf welcher Seite der Koralm Kulturarbeit stattfindet.

Kulturinitiativen als soziale Infrastruktur

Schon zu Beginn der Diskussion wurde deutlich, welche zentrale Rolle Kulturinitiativen außerhalb der urbanen Zentren spielen. Während viele größere Kulturinstitutionen in den Landeshauptstädten konzentriert sind, übernehmen Kulturvereine und freie Initiativen in kleineren Gemeinden häufig die Funktion kultureller Nahversorgung. Sie schaffen Räume für Begegnung, Austausch und gesellschaftliche Teilhabe und tragen wesentlich zum sozialen Zusammenhalt bei. Kulturarbeit am Land bedeutet daher weit mehr als Veranstaltungsorganisation. Sie schafft öffentliche Räume, stärkt lokale Gemeinschaften und macht gesellschaftliche Teilhabe überhaupt erst möglich.

Die Frage der Nachhaltigkeit

Ein wiederkehrendes Thema des Abends war die langfristige Absicherung kultureller Arbeit. Viele Initiativen werden von wenigen hoch engagierten Personen getragen. Sie organisieren Programme, kümmern sich um Förderungen, Öffentlichkeitsarbeit und Vereinsstrukturen und halten kulturelle Angebote oft über Jahrzehnte hinweg am Leben. Gleichzeitig wird es zunehmend schwieriger, Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen und neue Generationen einzubinden. Wie wichtig kontinuierliche Nachwuchsarbeit dabei ist, zeigte das Theaterzentrum Deutschlandsberg. Dort beginnt die kulturelle Arbeit bereits mit Kindern und Jugendlichen und schafft so langfristige Zugänge zu Theater, Kulturarbeit und gesellschaftlichem Engagement.

Mehrfach wurde betont, dass nachhaltige Kulturarbeit sowohl ehrenamtliches Engagement als auch professionelle Strukturen benötigt. Räume, Programme und Netzwerke entstehen nicht von selbst – sie brauchen Menschen, die Zeit, Wissen und Verantwortung investieren.

Gemeinden als Partnerinnen der Kulturarbeit

Besonders intensiv diskutiert wurde die Beziehung zwischen Kulturinitiativen und kommunaler Politik. Die Erfahrungen der Teilnehmer*innen machten deutlich, dass erfolgreiche Kulturarbeit oft von verlässlichen Beziehungen zu Gemeinden abhängt. Dabei geht es nicht ausschließlich um finanzielle Unterstützung. Ebenso wichtig sind Infrastruktur, Räume, Sichtbarkeit und das Verständnis dafür, welchen Beitrag Kultur für eine Gemeinde leistet. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass politische Rahmenbedingungen aktiv mitgestaltet werden müssen. Kulturinitiativen seien gut beraten, den Kontakt zu neuen politischen Entscheidungsträger*innen frühzeitig zu suchen, ihre Arbeit sichtbar zu machen und die Bedeutung kultureller Infrastruktur immer wieder zu vermitteln. 

Kooperation statt Konkurrenz

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war die Frage, wie regionale Zusammenarbeit gelingen kann. Vorgestellt wurde unter anderem der Kulturraum Südkärnten–Lavanttal, ein Zusammenschluss von 22 Gemeinden, der die Sichtbarkeit kultureller Aktivitäten erhöhen und Kooperationen erleichtern soll. Solche Modelle zeigen, dass Zusammenarbeit über Gemeinde- und Landesgrenzen hinweg zunehmend an Bedeutung gewinnt. Gerade in Zeiten knapper Ressourcen wird Vernetzung zur kulturpolitischen Notwendigkeit. Sie ermöglicht Wissensaustausch, stärkt Interessenvertretungen und schafft neue Handlungsspielräume für Kulturinitiativen und Künstler*innen.

Kulturarbeit als Beitrag zur Demokratie

Zwischen den vielen praktischen Fragen zu Finanzierung, Ehrenamt und Infrastruktur wurde immer wieder auch die gesellschaftliche Bedeutung von Kulturarbeit sichtbar. Kulturinitiativen schaffen Orte, an denen Menschen zusammenkommen, diskutieren, gestalten und Verantwortung übernehmen. Sie fördern gesellschaftlichen Zusammenhalt und ermöglichen Erfahrungen von Teilhabe und Selbstwirksamkeit. Gerade in ländlichen Regionen sind solche Orte von besonderer Bedeutung. Wer über Kulturarbeit spricht, spricht nicht nur über Veranstaltungen oder Förderungen. Es geht auch um die Frage, wie wir gemeinsam leben wollen und welche Räume wir für Begegnung, Austausch und demokratische Praxis schaffen.

Was wir mitnehmen

Zum Abschluss fassten Elena Stoißer (IG KiKK) und Simon Hafner (IG Kultur Steiermark) zentrale Erkenntnisse des Abends zusammen: Kulturarbeit am Land braucht Hartnäckigkeit, Kontakte, Nachwuchsarbeit und die Fähigkeit, Verbindungen herzustellen. Sie braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, aber auch Strukturen, die dieses Engagement langfristig tragen können.

Der Kulturtunnel hat in Deutschlandsberg einmal mehr gezeigt, dass viele Herausforderungen geteilt werden. Gleichzeitig wurde sichtbar, wie viel Wissen, Erfahrung und Kreativität bereits vorhanden sind.

 

Nachlese in einfacher Sprache

Kulturtunnel in Deutschlandsberg

Am 27. Mai 2026 gab es ein Treffen in Deutschlandsberg. Das Treffen hieß: Kulturtunnel Nummer 4.

Menschen aus Kärnten|Koroška und aus der Steiermark waren dabei.

Die Menschen arbeiten in:

  • Kulturvereinen
  • Kulturinitiativen
  • Gemeinden

Worum ging es?

Die Menschen sprachen über Kulturarbeit auf dem Land.

Sie sprachen über Fragen wie:

  • Woher kommt das Geld für Kultur?
  • Wie finden Vereine neue Mitglieder?
  • Wie können junge Menschen mitmachen?
  • Wie können Gemeinden helfen?

Was wurde gesagt?

Viele Menschen machen Kulturarbeit in ihrer Freizeit. Das ist wichtig.
Aber oft gibt es zu wenig Geld und zu wenig Unterstützung. Deshalb brauchen Kulturvereine gute Bedingungen.

Warum ist Kultur wichtig?

Kultur bringt Menschen zusammen.
Menschen lernen einander kennen.
Menschen können gemeinsam etwas erleben.
Kultur stärkt das Zusammenleben.

Ein wichtiges Thema: Zusammenarbeit

Die Menschen möchten stärker zusammenarbeiten.
Sie möchten voneinander lernen.
Sie möchten Erfahrungen austauschen.
Dafür gibt es den Kulturtunnel.
Der Kulturtunnel verbindet Menschen aus Kärnten|Koroška und der Steiermark.

Das Ergebnis

Die Teilnehmer*innen waren sich einig: Kulturarbeit auf dem Land ist wichtig. Dafür braucht es:

  • engagierte Menschen
  • gute Zusammenarbeit
  • Unterstützung durch Gemeinden
  • starke Netzwerke

Der Austausch soll weitergehen.