Künstliche Intelligenz in Kunst und Kultur: Was sich jetzt verändert

Vor der künstlichen Intelligenz stand „KI“ einmal für Kulturinitiativen. Assistenz und Abhängigkeit, Treibstoff der Effizienz und doch Brandbeschleuniger der Prekarisierung – was macht künstliche Intelligenz mit Kunst und Kultur– und was verrät sie über ihre Arbeitsbedingungen? Und was hat das am Ende mit Kulturpolitik zu tun?

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Ist künstliche Intelligenz für die Kultur ein Segen – oder ein Fluch? 

So ambivalent wie die meisten Menschen über KI denken, fällt auch die Antwort auf diese Frage aus. Am wahrscheinlichsten wird sie zuerst das eine – dann das andere sein: erst Segen, dann Fluch. KI kann Texte schreiben, Förderanträge formulieren, Protokolle erstellen, Bilder generieren. Sie beschleunigt Arbeitsprozesse, entlastet im Alltag, demokratisiert dabei auch Zugänge. Sie kann also dabei helfen Lücken in einem ressourcenarmen Umfeld zu schließen. Gleichzeitig verschiebt sie Erwartungen, erzeugt neuen Druck – und könnte gerade jene Arbeitsverhältnisse weiter verschärfen, die im Kulturbereich ohnehin prekär sind. Vielleicht ist die brisantere Frage deshalb nicht, was KI kann, sondern was sie mit der Arbeit hinter der Kultur macht.

KI ist für Yvonne Gimpel von der IG Kultur weder Heilsversprechen noch Untergangsszenario, sondern vor allem eines: eine Realität, der man sich kaum entziehen kann. „Sie ist da […] und wird immer gegenwärtiger“, sagt sie – gerade deshalb müsse man verstehen, was sie kann, wo ihre Grenzen liegen und wo man sich bewusst gegen ihren Einsatz entscheidet. Wie diese Realität konkret aussieht, erkärt Astrid Dirnberger, Kulturarbeiterin bei der Initiative Voice of Diversity. Sie nutzt KI längst selbstverständlich – nicht aus Technikbegeisterung, sondern aus pragmatischen Gründen: „Ich verwende sie für Antragsschreibung, Pressemitteilungen, E-Mail-Antworten oder Protokolle“ Die digitale Transformation ist vor allem Alltagserleichterung. Mühsame, schlecht bezahlte Zusatzarbeit wird ausgelagert. „Ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich mir ein E-Mail vorformulieren lasse – das kostet sonst einfach Überstunden.“ Und doch bleibt ein Unbehagen: „Alles, was im künstlerischen Bereich stattfindet, finde ich schon bedenklich.“ 
 

KI für KI?


Genau bei der Frage, welche Hilfestellungen Kulturinitiativen (KIs) von künsticher Intelligenz (KI) beziehen können, hat sich die IG Kultur mit ganz konkreten, vorzugsweise alltäglichen Fragen beschäftigt: Wie lassen sich KI-Tools im Alltag von Kulturinitiativen anwenden – gerade dort, wo Ressourcen knapp sind? Das Projekt kombinierte Webinare, individuelles Coaching und sogenannte Community Labs, in denen Kulturarbeiter:innen ihre Erfahrungen austauschten. Ziel war es, praktische Kompetenzen aufzubauen und gleichzeitig ethische, rechtliche und politische Fragen mitzudenken.

KI wird dabei nicht als abstrakte Technologie verstanden, sondern als Werkzeug – etwa für: Textproduktion und Öffentlichkeitsarbeit, Projektplanung und Recherche, Protokolle und Dokumentation. Gleichzeitig ging es um Orientierung: Wann ist der Einsatz sinnvoll? Wo braucht es Transparenz? Welche Verantwortung tragen Kulturinstitutionen?

 

Wer kann sich den Wandel leisten?


Kleine Dinge kann die KI sofort leisten – doch viele Automatisierungen müssen angepasst werden. Dass dieses maschinelle Lernen selbst Zeit und Ressourcen erfordert, ist kein Nebenaspekt, sondern eine strukturelle Frage. „Es braucht ein totales Investment, das Ganze aufzubauen“, sagt Gimpel. Hier zeigt sich eine zentrale Spannung: Große Institutionen können KI strategisch entwickeln und einsetzen, kleine Initiativen oft nicht. Die Folge könnte eine weitere Öffnung der Schere sein – zwischen gut ausgestatteten Häusern und prekär arbeitenden Projekten. KI, so Gimpel, könne zwar helfen, Mängel zu kompensieren. Gleichzeitig drohe sie genau diese Mängel unsichtbar zu machen. „Dann wird noch viel weniger sichtbar, dass es an Ressourcen fehlt.“


Effizienz wird zur Erwartung. Und diese Erwartung kann zur Falle werden, nicht zuletzt wenn Fördergeber für immer kleinere Beträge immer höheren Output verlangen. KI ermöglicht, mehr Aufgaben selbst zu erledigen – schneller, scheinbar effizienter. Doch diese Autonomie kann sich umkehren. Sie verstärkt eine Logik, die im Kulturbereich ohnehin verbreitet ist: mit zu wenig Mitteln zu viel leisten müssen.

„Ich habe das Gefühl, sie erspart mir etwas“, sagt Gimpel über ihre eigene Nutzung. „Aber im Endeffekt verändert sie den Output und macht weniger sichtbar, dass ein Mangel besteht.“ Meistens fürchten die Menschen bei der technischen Entwicklung um Jobs, ihre Existenzgrundlagen. Die Frage ist aber nicht nur, welche Arbeit durch KI wegfällt – sondern was dadurch neu eingefordert wird.

Vielleicht zeigt sich in der kulturpolitischen Dimension aber noch eine paradoxe Entwicklung: Je mehr Prozesse automatisiert werden, desto sichtbarer wird, was sich nicht automatisieren lässt. Je mehr wir unsere Zeit vor Screens und im Austausch mit Maschinen verbringen, desto wichtiger wird echte Begegnung und Austausch. Die Frage nach KI in der Kultur ist womöglich weniger eine Frage nach Technologie – als eine nach den Bedingungen, unter denen wir Gesellschaft überhaupt noch ermöglichen wollen.

 


Oder wenn ihr mir die Spitze in meiner "Weissagung von Kwasi" erlaubt:

Erst wenn das letzte Protokoll transkribiert,
das letzte Brainstorming automatisiert, 
der letzte Text von KI ausformuliert,
werdet ihr merken – 
dass man Effizienz nicht leben kann.

 

 


 

Podcast: Künstliche Intelligenz in Kunst und Kultur

KI schreibt Texte, erstellt Förderanträge und hilft im Alltag – aber zu welchem Preis? In dieser Folge sprechen wir mit Yvonne Gimpel (IG Kultur) und Astrid Dirnberger (Voice of Diversity) darüber, wie künstliche Intelligenz die Kulturarbeit verändert: zwischen Effizienzgewinn, Unsicherheit und der Frage, was kreative Arbeit heute eigentlich noch wert ist.
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Aber echt. Machst du auch „was mit Kultur“? Der Podcast der IG Kultur mit Patrick Kwasi. 
Kultur macht Gesellschaft? Aber wer macht eigentlich Kultur? Was will ich hier eigentlich und was hat das Ganze mit mir zu tun? Patrick Kwasi von der IG Kultur zu Hoch-, Sub- oder auch mal Unkultur - aber jedenfalls immer persönlich mit den Leuten, die da auch drinstecken. Machst du eigentlich auch „was mit Kultur“?

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Patrick Kwasi macht „was mit Kultur“, sonst macht er auch was mit Medien. Er hat Medienkommunikation studiert und macht die Medienarbeit der IG Kultur. Meistens versucht er Dinge zu verknüpfen und hat am Ende mehr Fragen als Antworten.

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