Kunst & Kultur als Standortfaktor der Regionalentwicklung
Die IG KiKK lädt gemeinsam mit der IG Kultur Steiermark zur Kulturtunnel Fahrt #3 nach St. Paul im Lavanttal ein. Diesmal steht die Frage im Mittelpunkt: Welche Rolle spielen Kunst und Kultur als Standortfaktor in der Regionalentwicklung – und welchen konkreten Herausforderungen begegnen Gemeinden dabei? Die Organisation vor Ort unterstützt kultura:um, das Kulturnetzwerk Unterkärnten/Kulturna mreža Spodnja Koroška. JETZT MIT NACHLESE.
Kulturtunnel Fahrt #3 nach St. Paul im Lavanttal
Mit dem Projekt Kulturtunnel wurde 2025 der Grundstein für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen steirischen und kärntner Kulturinitiativen gelegt. Ziel ist es, die Vernetzung zwischen den Bundesländern zu stärken – und zugleich den Austausch zwischen Gemeinden, Institutionen und Kulturinitiativen anzustoßen und zu festigen. In den ersten Fahrten haben die IG Kultur Steiermark und die IG KiKK Erwartungen und Ideen zum Projekt erhoben und die momentane Situation der beiden Bundesländer dargelegt.
Diesmal steht die Frage im Mittelpunkt: Welche Rolle spielen Kunst und Kultur als Standortfaktor in der Regionalentwicklung – und welchen konkreten Herausforderungen begegnen Gemeinden dabei?
Hierzu werden uns Raimund Grilc, Vorsitzender der Werner Berg Stiftung und Altbürgermeister der Stadt Bleiburg | Pliberk, und Gerlinde Schiestl-Reif, Koordinatorin des steirischen Prozesses der Kunst- und Kulturstrategie 2030, sowie Stefan Salzmann, Bürgermeister von St. Paul, Impulse für den Austausch geben. Die Organisation vor Ort unterstützt dankenswerterweise kultura:um, das Kulturnetzwerk Unterkärnten | Kulturna mreža Spodnja Koroška.
Gemeinsam wollen wir Perspektiven austauschen, Erfahrungen bündeln und Impulse für eine nachhaltige Kulturpolitik im ländlichen Raum setzen. Ziel ist es, einen offenen Dialog zwischen Gemeinden und Kulturinitiativen zu ermöglichen und voneinander zu lernen.
Kulturtunnel Fahrt #3
27. April, 17:00 Uhr
St. Paul im Lavanttal, Rathaussaal
Anreise: Haltestelle: St.Paul im Lavanttal Ortsmitte (Lobisserplatz)
Vom Bahnhof St. Paul fahren in Abständen von 5-10 Minuten die "820er" Busse bis direkt vor das Rathaus St. Paul, (Haltestelle St.Paul im Lavanttal Ortsmitte (Lobisserplatz)).
Zugverbindungen:
ab Klagenfurt: 16:02 RJ 755
ab Graz: 16:03 RJ110
nach Graz: 20:22 ICE 211
nach Klagenfurt: 20:37 RJ 656 oder 21:11 S1
Finanzielle Unterstützung für die Fahrtkosten mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist für angemeldete Personen möglich.
Anmeldung: Wir bitten um Anmeldung, da uns dies die Organisation erleichtert: mika.palmisano@igkikk.at
Ausblick: Kulturtunnel Fahrt #4
27. Mai, 17:30 Uhr
Theaterzentrum Deutschlandsberg
Die Kulturtunnel Fahrten stehen für Dialog, Kooperation und kulturpolitische Zukunftsarbeit über Landesgrenzen hinweg. Wir freuen uns auf zwei inspirierende Abende und auf zahlreiche engagierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Gemeinden und Kulturinitiativen.
NACHLESE ZUM KULTURTUNNEL #3
Kunst und Kultur als Motor für Regionalentwicklung
Welche Rolle spielen Kunst und Kultur für Gemeinden, Regionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Diese Frage stand im Zentrum einer Veranstaltung des Projekts „Kulturtunnel“, die Vertreter:innen aus Kultur, Gemeindepolitik, Regionalentwicklung und Verwaltung aus Kärnten/Koroška und der Steiermark zusammenbrachte. Organisiert wurde der Abend von der Interessensgemeinschaft der Kulturinitiativen in Kärnten | Koroška (IG KiKK) gemeinsam mit Partner:innen aus der Regional- und Kulturarbeit.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Vertreter:innen der IG KiKK, die den Austausch bewusst als offenen Vernetzungsraum angelegt hatten. Im Mittelpunkt standen nicht nur kulturpolitische Grundsatzfragen, sondern vor allem konkrete Erfahrungen aus Gemeinden, Kulturvereinen und regionalen Kooperationen entlang der Koralmbahn.
Bereits zu Beginn wurde deutlich: Kunst und Kultur werden von vielen Gemeinden längst nicht mehr nur als freiwillige Zusatzaufgabe verstanden, sondern zunehmend als wesentlicher Standortfaktor. Gleichzeitig wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass Kulturarbeit oft unter prekären Rahmenbedingungen stattfindet – finanziell, organisatorisch und strukturell.
Kultur als Standortfaktor
Ein Bürgermeister aus dem Lavanttal verwies darauf, dass Kultur „weiche Standortfaktoren“ wie Lebensqualität, Identifikation und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Während meist über Infrastruktur, Wohnbau oder Wirtschaft gesprochen werde, komme Kunst und Kultur in regionalpolitischen Debatten oft zu kurz.
Anhand von Beispielen wie St. Paul im Lavanttal, Erl in Tirol oder St. Margarethen wurde beschrieben, wie sehr kulturelle Veranstaltungen und Institutionen das Bild einer Region prägen können. Museen, Festivals oder Konzertreihen würden Gemeinden Sichtbarkeit geben und langfristig Identität stiften.
Gerade kleinere Gemeinden könnten über Kultur ein eigenes Profil entwickeln. Im Fall von St. Paul wurde etwa auf die Landesausstellung 1991 verwiesen, durch die sich die Bezeichnung „Schatzhaus Kärntens“ bis heute gehalten habe.
Mehrfach wurde betont, dass regionale Zusammenarbeit dabei zentral sei. Einzelne Gemeinden könnten größere Projekte oft nicht alleine stemmen. Kooperationen über Gemeinde- und Bundesländergrenzen hinweg würden daher immer wichtiger – insbesondere im Zusammenhang mit der Koralmbahn und den neuen Mobilitätsräumen zwischen Kärnten/Koroška und der Steiermark.
Kooperation statt Konkurrenz
Ein wiederkehrendes Thema des Abends war die Frage, wie Zusammenarbeit in der Praxis gelingen kann. Mehrere Teilnehmer:innen beschrieben Kooperationen als notwendige Antwort auf knappe Budgets und begrenzte personelle Ressourcen.
Im Zusammenhang mit einem aktuellen Kooperationsprojekt zwischen Wolfsberg und Deutschlandsberg wurde deutlich, wie viel Abstimmungsarbeit notwendig ist, wenn Gemeinden, Länder, Förderstellen und Kulturschaffende gemeinsam Projekte entwickeln. Dabei wurden auch strukturelle Probleme sichtbar: unterschiedliche Förderlogiken in den Bundesländern, frühe Einreichfristen, fehlende Vertragsmodelle für projektbezogene Kulturarbeit und hoher Verwaltungsaufwand.
Gleichzeitig wurde aber auch hervorgehoben, dass genau solche Kooperationen künftig notwendig sein werden, um größere kulturelle Vorhaben überhaupt realisieren zu können. Vorgeschlagen wurden etwa gemeinsame Veranstaltungskalender, Kulturtickets, Kooperationen mit öffentlichem Verkehr oder stärkere Vernetzung zwischen Kulturvereinen.
Mehrere Wortmeldungen machten deutlich, dass Kooperation oft bereits im Kleinen beginnt: durch gegenseitige Einladungen von Musikgruppen, gemeinsame Veranstaltungsreihen oder informellen Austausch zwischen Gemeinden.
Ein Teilnehmer brachte es auf den Punkt: „Kooperieren statt konkurrieren.“
Gemeinden zwischen Engagement und Sparzwang
Großen Raum nahm auch die Frage ein, wie Gemeinden Kulturarbeit konkret unterstützen können.
Mehrere Bürgermeister:innen und Gemeindemandatar:innen schilderten die schwierige budgetäre Situation vieler Kommunen. Kultur werde häufig als „freiwillige Leistung“ geführt und sei daher von Kürzungen besonders betroffen.
Gleichzeitig wurde betont, dass es oft gar nicht um große Summen gehe. Kleine Basisförderungen, Infrastrukturleistungen oder organisatorische Unterstützung könnten für Kulturvereine entscheidend sein.
Genannt wurden etwa Unterstützung durch Bauhöfe, Druckkostenübernahmen, Bereitstellung von Räumen oder die Zusammenarbeit mit Tourismusorganisationen.
Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung des Ehrenamts. Viele kulturelle Angebote in ländlichen Regionen würden überhaupt erst möglich, weil Menschen unzählige Stunden freiwillig investieren.
Ein Bürgermeister aus Südkärnten verwies darauf, dass Vereine und Kulturinitiativen wesentlich zur Lebensqualität beitragen. Sie schaffen soziale Räume, fördern Begegnung und stärken die Bindung an die Region – gerade auch für junge Menschen.
Kultur schafft Begegnung
Mehrfach wurde im Laufe des Abends auf die gesellschaftliche Funktion von Kunst und Kultur verwiesen. Kulturveranstaltungen würden Menschen zusammenbringen, Austausch ermöglichen und Orte der Begegnung schaffen.
Dabei gehe es oft nicht nur um die eigentliche Veranstaltung, sondern um das, was rundherum entsteht: Gespräche, neue Kontakte und zukünftige Kooperationen.
Ein Beispiel dafür war die Zusammenarbeit zwischen der Gustav Mahler Privatuniversität und regionalen Musikschulen. Aus informellen Begegnungen bei Kulturveranstaltungen entstand eine Kooperation mit dem Ziel, junge Musiker:innen aus der Region stärker zu fördern.
Auch der Zusammenhang zwischen Kultur, Gesundheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt wurde angesprochen. Vereinsleben schütze vor Einsamkeit und stärke soziale Beziehungen. Verwiesen wurde unter anderem auf internationale Beispiele, bei denen Museumsbesuche oder Kulturangebote mittlerweile sogar im Gesundheitsbereich mitgedacht werden.
Wissen teilen und Netzwerke aufbauen
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Frage, wie Wissen und Erfahrungen besser weitergegeben werden können.
Mehrere Teilnehmer:innen schilderten, dass Gemeinden oft ähnliche Herausforderungen bearbeiten, aber wenig Überblick darüber haben, welche Modelle andernorts bereits funktionieren.
Von Seiten der IG KiKK wurde auf bestehende Vernetzungsinitiativen verwiesen, die im Anschluss an die Kulturstrategieprozesse in Kärnten und der Steiermark entstanden sind. Ziel sei es, Wissen, Kontakte und Erfahrungen zwischen Gemeinden, Kulturinitiativen und Verwaltung besser zugänglich zu machen.
Dazu gehören Netzwerktreffen, digitale Austauschformate und Informationsangebote für Kulturreferent:innen und Gemeindepolitiker:innen.
Mehrfach wurde betont, dass Kulturpolitik nicht nur auf Landesebene stattfinden dürfe. Entscheidend sei, dass Wissen in die Gemeinden getragen werde und dort langfristig verfügbar bleibe – unabhängig von einzelnen Personen oder Legislaturperioden.
Zwischen Kritik und Aufbruch
Auch kritische Stimmen fanden Raum. Einzelne Teilnehmer:innen verwiesen auf Konkurrenzdenken innerhalb der Kulturszene, ungleiche Sichtbarkeit kultureller Angebote oder mangelnde Unterstützung unabhängiger Initiativen.
Gleichzeitig wurde deutlich, wie stark viele Projekte vom persönlichen Engagement Einzelner abhängen. Immer wieder wurde darauf hingewiesen, dass Kulturarbeit in ländlichen Regionen oft nur deshalb funktioniert, weil Menschen mit großer persönlicher Motivation und hohem ehrenamtlichem Einsatz arbeiten.
Trotz unterschiedlicher Perspektiven zog sich ein gemeinsamer Gedanke durch den Abend: Kultur ist kein Nebenschauplatz regionaler Entwicklung.
Sie schafft Identität, stärkt gesellschaftlichen Zusammenhalt und kann Impulse weit über den Kulturbereich hinaus setzen – für Tourismus, Bildung, Regionalentwicklung und Lebensqualität.
Zum Abschluss wurde angekündigt, dass die entstandenen Kontakte weitergeführt und dokumentiert werden sollen. Geplant sind weitere Vernetzungstreffen sowie Informationsangebote zu Kulturpolitik, Fördermöglichkeiten und regionaler Zusammenarbeit.
Zudem wurde auf kommende Veranstaltungen des Projekts „Kulturtunnel“ verwiesen, die den Austausch zwischen Kärnten/Koroška und der Steiermark weiter vertiefen sollen.