Die Lust am Feindbild: Wie Menschen für rechte Agitation empfänglich werden

Die Welt wirkt zerrissener als noch vor wenigen Jahrzehnten. Politische Debatten verlaufen entlang harter Fronten, soziale Medien verstärken Konflikte, und Parteien am rechten Rand gewinnen zunehmend an Einfluss. Welche Mechanismen machen Menschen anfällig für autoritäre und rechtsextreme Bewegungen? Und kann es eine Politik ohne Emotion überhaupt geben? Ein Gespräch mit Robert Misik über die „Erziehung zur Grausamkeit“.

Podcast Robert Misik Was mit Kultur Rechtsextremismus Populismus

Das die Politik ähnelt zunehmend den Kommentarspalten sozialer Netzwerke. Oft scheinen gerade jene politischen Kräfte zu profitieren, die am konsequentesten auf Zuspitzung setzen. Der Autor Robert Misik sieht darin keinen Zufall. Österreich befinde sich spätestens seit dem Aufstieg Jörg Haiders in einem langen Prozess der politischen Radikalisierung. Was einst als Rechtspopulismus beschrieben worden ist, hat sich inzwischen qualitativ verändert.

Im Zentrum seiner Analyse steht nicht primär die Ideologie, sondern die psychologische Wirkung politischer Agitation. Das eigentliche Ereignis sei nicht, dass Menschen bestimmte Parolen übernehmen, sondern sich selbst dabei verändern. „Was passiert eigentlich mit Menschen, wenn sie in die Fänge dieser Agitation geraten?“, und knüpft an die Forschungen der Frankfurter Schule zur autoritären Persönlichkeit an, erweitert diese aber um die Bedingungen digitaler Gesellschaften. Die autoritären Anhänger von heute seien nicht mehr bloß gehorsame Untertanen. Vielfach verstünden sie sich selbst als Rebellen gegen Eliten, Institutionen und gesellschaftliche Konventionen – gerade darin liege ihre Wirksamkeit. Autoritäre Politik erscheine nicht mehr als Forderung nach Unterordnung, sondern als vermeintliche Befreiung.

Rechte Parteien, ihnen nahestehende Medien und soziale Netzwerke erzeugen gemeinsam ein geschlossenes Deutungssystem. Die Botschaft sei stets dieselbe, so Misik: „Die Welt ist ein gefährlicher Ort.“  Ständig werde suggeriert, hinter gesellschaftlichen Problemen stünden böswillige Akteure, die vorsätzlich Schaden anrichten, ein orchestrierter Untergang. Schuldige würden benannt und schließlich eine politische Erlösung versprochen. In dieser Dynamik erkennt Misik die eigentliche „Erziehung zur Grausamkeit“. Zur Angst gesellt sich die Lust an der Bestrafung jener, die für das eigene Unglück verantwortlich gemacht werden. Vergeltung an Feinden statt Lösung von Problemen.

Es ist aber kein rein virtuelles Phänomen, hinter der gesellschaftlichen Gereiztheit erkennt er reale Krisenerfahrungen: wirtschaftliche Unsicherheit, Abstiegsängste, Kriege und die ökologische Krise. Die Vorstellung einer bedrohlichen Zukunft bildet den Resonanzraum, auf dem autoritäre Agitation überhaupt erst erfolgreich werden kann. Denn wenn Krisen ungelöst bleiben, entsteht leicht das Gefühl einer Welt, in der nur noch das Prinzip „Jeder gegen jeden“ gilt. Der „neue Faschismus“, wie Misik den Erfolg dieser Politik der Grausamkeit nennt, beginnt mit dem Vergnügen daran, dass jemand anderer getroffen wird.

 

Foto: © The van Helden/Suhrkamp Verlag

Podcast: Warum Menschen (wieder) autoritären Bewegungen folgen

Wie prägt Angst, Empörung und die sozialen Medien heute politische Einstellungen und weshalb reichen Fakten allein oft nicht aus, um Menschen zu erreichen? Robert Misik erklärt, wie rechte Propaganda funktioniert, warum sie so erfolgreich ist und welche demokratischen Antworten auf die gegenwärtigen Krisen möglich wären. Ein Gespräch über Wut, Hoffnung und die Zukunft der Demokratie. 
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Aber echt. Machst du auch „was mit Kultur“? Der Podcast der IG Kultur mit Patrick Kwasi. 
Kultur macht Gesellschaft? Aber wer macht eigentlich Kultur? Was will ich hier eigentlich und was hat das Ganze mit mir zu tun? Patrick Kwasi von der IG Kultur zu Hoch-, Sub- oder auch mal Unkultur - aber jedenfalls immer persönlich mit den Leuten, die da auch drinstecken. Machst du eigentlich auch „was mit Kultur“?

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Patrick Kwasi macht „was mit Kultur“, sonst macht er auch was mit Medien. Er hat Medienkommunikation studiert und macht die Medienarbeit der IG Kultur. 

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